Schnell trocken – ganz ohne Ofen

Unser innovatives 2K-Lacksystem spart Kosten, Zeit und Aufwand, schont die Umwelt und revolutioniert den Trocknungsprozess.

Beitrag aus dem JOT (4 I 2026,  66. Jahrgang)

Ingo Jensen, Redakteur, Jensen media GmbH, Memmingen:

Ein neues Lacksystem soll Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbauern sowie Herstellern von zu beschichtenden Bauteilen in der Metallindustrie Geld, Zeit und Nerven sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Das 2K-System basiert auf einer neuen Bindemittel- sowie Härtertechnologie und soll den Trocknungsprozess revolutionieren.

Das isocyanatfreie Smart Cure-System der Grönenbacher Lackfabrik, Gropper + Viandt (GV) GmbH verspricht neue Möglichkeiten im Trocknungsprozess: Bereits nach 2 h erreicht das System den Trocknungsgrad 6 bis 7 – und das bei Raumtemperatur. Herkömmliche Lacke erreichen diesen Trocknungsgrad selbst mit forcierter Trocknung (Ofenzeit: 1 h) frühestens nach 5 h. Mit dem neuen Lacksystem sparen Anwender sich also den Ofen und darüber  hinaus 3 h Zeit. 

Positiver Einfluss auf die Umweltbilanz
„Allein durch den Verzicht auf die Ofentrocknung senkt ein Pilotkunde von uns seinen Energieaufwand um 500.000 kWh im Jahr“, berichtet Gerd Gropper, Geschäftsführer der Grönenbacher Lackfabrik Gropper + Viandt GmbH und ergänzt: dadurch spart er neben Kosten in Höhe von 70.000 Euro auch 217 t CO2-Ausstoß ein. Darüber hinaus zahlt auch der niedrige VOC-Wert auf die gute Umweltbilanz ein.“

Möglich macht das eine neue Lackchemie, mit der die Grönenbacher Lackfabrik das System entwickelt hat. Mit der neuen Rezeptur ist es dem Entwicklerteam gelungen, ein festkörperreiches, lösemittelarmes System zu schaffen, mit einem geringen Gehalt an VOCs (<250 g/l). Die Smart Cure- Grundierung ist isocyanat- und epoxyfrei; auch der Smart Cure-Decklack enthält keine Isocyanate und ist damit besonders anwender- und umweltfreundlich.

Außerdem ist das Lacksystem sehr ergiebig. Gegenüber einem 2K-PUR-System lässt sich mit dem Lacksystem laut seinem Anbieter fast 1 m2 mehr an Fläche grundieren (pro kg, bei 50 μm Trockenschichtdicke), beim Decklack sind es sogar über 2 m2 mehr.

Vorteile in der Verarbeitung
Einen großen Vorteil bietet der Decklack auch hinsichtlich der Topfzeit: Während PUR-Systeme 1 oder maximal 2 h lang offenstehen können, beträgt die Topfzeit beim Smart Cure-Decklack ganze 24 h, bei einer Temperatur von 23 °C. So können Abfallkosten reduziert und die Verarbeitung deutlich erleichtert werden. Die Beschichtung des neuen Systems, bestehend aus Grundierung und Decklack, kann „nass in nass“ erfolgen, was ebenfalls den Prozessablauf optimiert.

Das neue Smart Cure-System von GV Lacke lässt sich mit allen gängigen Applikationsmethoden, beispielsweise Airless oder Airmix, kocher-frei verarbeiten. Beim Decklack lassen sich über die Mischanlage alle Farbtöne herstellen, so kann der Lackhersteller Kunden die benötigten Farbtöne jederzeit auch in kleinen Mengen und on demand liefern.

Ein weiterer Vorteil in der Anwendung: Egal, ob Schleifen, Polieren, Hochdruckreinigung oder die Lagerung der lackierten Maschinen oder Bauteile: Nach 2 h kann die Weiterverarbeitung losgehen, so der Lackhersteller. Das bietet Anwendern neue Möglichkeiten in der Fertigungsplanung. Früher mussten sie mit der Endmontage bis zu 24 h warten, weil die Teile erst trocknen mussten. Dank dem neuen Lacksystem können sie die beschichteten Teile nun bereits nach 2 h weiterverarbeiten oder auch im Freien lagern, selbst bei Regen, erklärt der Lackhersteller.